Wer ist Ivan Ertlov? – Autoreninterview

Der Autor © Ivan Ertlov

Der letzte Tag ist angebrochen. Tage, 5 Autoreninterviews, 5 Buchvorstellungen. Dieser gehört dem Science-Fiction Autor Ivan Ertlov.

Ivan Ertlov hat bereits einige Bücher veröffentlicht. Er ist in Prag geboren, in Österreich aufgewachsen und lebt in Australien. Sein Hauptgenre ist Science-Fiction, gelegentlich schreibt in den Genre Thriller oder Horror. Er hat oft humorvolle Elemente in seinen Geschichten, gleichzeitig politisieren seine Bücher. Ich habe bisher den ersten Band seiner Avatar-Reihe und den vierten Band des Onur-Zyklus gelesen. Warum ich mit einem vierten Band begann? Es war ein Experiment, ob man den vierten Band losgelöst lesen könnte. 😉

Hier ein Auszug aus meiner Rezension aus Mutation: Alte Freunde und profitable Kriege:
Der Autor hat im Hintergrund eine verzwickte Verschwörung entwickelt, die er gekonnt in seine Geschichte integriert hat. <…>Besonders gut hat mir gefallen, dass Ivan Ertlov in seinem Werk polarisiert und immer wieder auf Dinge aus der „realen“ Welt hinweist und auch so manches kritisiert.
Meine vollständige Rezension findet ihr unter diesem Link.

Kommen wir nun zu den Fragen, die ich Ivan Ertlov gestellt habe.

Viktoria: Hallo Ivan. Danke für die Zeit, die du dir hierfür genommen hast. Würdest du dich den Lesern bitte in drei Sätzen vorstellen?

Drei Sätze – das wird schwierig. Ah verdammt, jetzt habe ich ja schon zwei verbraucht. Also, ich bin ein in Prag geborener, in Wieselburg aufgewachsener österreichisch-tschechischer Doppelstaatsbürger jenseits der 40, der in Australien lebt, arbeitet und schreibt.

Viktoria: *lacht* Die Leser können dich ja bei den folgenden Fragen kennenlernen. 😉 Warum bis zu nach Australien ausgewandert?

Blue Moutnains nahe Leura, seine „Hood“ in Sydney © Ivan Ertlov

Eine gute Frage. Ich bin 2003 das erste Mal durch Australien gereist, mit meiner nun Ex-Frau, und war vom Lebensstil, der Landschaft und vor allem von der isolierten Urtümlichkeit des Landes schwer beeindruckt. Zudem hatte ich Kontakt zu einigen Aborigines in Queensland und war von dieser ältesten Kultur der Menschheit fasziniert. Der Wunsch, dorthin auszuwandern, kam recht bald. 2012 ging es noch einmal als Tourist und Filmer nach Australien, zur totalen Sonnenfinsternis nach Cairns, und die alte Sehnsucht war wieder da. Ich habe dann mehrfach versucht, ein Arbeitsvisum und den dafür benötigten Job zu bekommen. 2017 erhielt ich das Angebot, als Senior Producer im SMG Studio in Sydney zu arbeiten – und das habe ich dann angenommen. Rückblickend muss ich sagen, das ich es nicht bereue, aber das alles viel schwieriger und härter war, als anfangs gedacht. Und das Land hat sehr tiefe und sehr dunkle Schattenseiten, die man weder als Tourist, noch als „Work & Holiday Visa“ Reisender mitbekommt.

Viktoria: Das klingt nach einer aufregenden Zeit und viel Kraft, die du dafür aufbringen musstest. Laut deinem Autorenprofil auf Amazon hast du schon viele verschiedene Dinge in deinem Leben gemacht. Unter anderem warst/bist du Journalist, DJ, Eventmanager, Politiker, Schauspieler und Schwertkämpfer, sowie Autor. Nimmst du Ereignisse oder Elemente aus diesen Berufen in deine Geschichten hinein?

Motorradtour zu den Northern Beaches of Sydney © Ivan Ertlov

Ich habe Zeit meines Lebens alles ausprobiert, was mich auch nur irgendwie interessiert hat – und wenn ich bemerkte „He, ich kann das halbwegs!“, dann wurde es über kurz oder lang zu einem Beruf oder einem semiprofessionellen Hobby. Deine Liste ist noch lange nicht vollständig 😉

Und natürlich fließt viel von dieser Erfahrung und meiner Ausbildung in die Bücher ein, klar. Gerade mein damaliges Studium der Politikwissenschaften und Psychologie hilft mir da sehr.

Viktoria: Ich dachte, wenn ich alle nenne, würde es den Rahmen sprengen. 😉 Deinen großen Erfahrungsschatz merkt man in den Büchern. Welches deiner Bücher magst du am liebsten? Hast du einen Lieblingsprotagonisten?

Mein Lieblingsbuch ist „Generation 23“ – weil es vollkommen anders ist als der Rest. Ein kurzes, durchgehend rasantes Krimi-Thriller-Spektakel im All, fast ganz ohne meinem üblichen Humor, weibliche Alleinprotagonistin. Und kein Teil einer Reihe. Das hat eine ganz eigene Faszination.

Mein Lieblingscharakter ist aber Fredderick aus der Avatar Reihe. Das sprechende Schwein mit Doktortitel und einem IQ von über 140 hat seinen ganz eigenen Charme. Und ich liebe Schweine!

Viktoria: Generation 23 liegt bei mir schon zum Lesen bereit, jetzt bin ich noch mehr darauf gespannt. Das sprechende Schwein ließ mich damals schmunzeln. 🙂 Gibt es bei dir etwas, das all deine Bücher verbindet?

Schwein-Schwein auf Reisen © Ivan Ertlov

Ja, Schweine. Entweder als Gag am Rande wie im zweiten Onur Band, als Gastauftritt meines eigenen IKEA-Plüsch-Schweins namens „Schwein-Schwein“ in Elysium und Götterdämmerung, oder eben als Fredderick.

Dann natürlich der Humor, meine spezielle Bullet-Time in Kampfszenen und viel politische Betrachtungen und Gesellschaftskritik.

Und zu guter Letzt die Tatsache, dass die Welt der Avatar Reihe schlicht unsere in der Zukunft ist und daher die Protagonisten schon mal den Onur Zyklus lesen 😉

Viktoria: Bei den Auftritten der Schweine musste ich jedes Mal schmunzeln. Das Aufzählungen sind vielseitige Dinge, die einen besonderen Reiz beim Lesen deiner Geschichten ausmachen. Im Onur-Zyklus hast du dir eigene Völker ausgedacht. Fällt dir sowas leicht? Wie gehst du dabei vor?

Ta Prohm Baumtempel in der Nähe, Schlüsselschauplatzes in Showdown Beijing © Ivan Ertlov

Ja, das fällt mir relativ leicht, wahrscheinlich dadurch, dass mein Hirn in 35 Jahren exzessiven Lesens und 30 Jahren SF Film & Serienkonsum ausreichend mit Elementen gesättigt ist, die ich dann kombinieren kann. Ich gehe normalerweise so vor, dass ich zuerst ein absolut eigenständiges Kernelement definiere. Bei den Onur war dies das „Pulsen“, eine semitelepathische Gefühlsübertragung, die gesprochene Worte begleitet und verstärkt. Bei den Mept die Tatsache, dass sie sich evolutionsgeschichtlich von einer rinderartigen Spezies abgespalten haben. Bei den Rosh die Eigenart, dass sie sich trotz Entwicklung zu einer humanoiden Lebensform nie ganz vom Ozean gelöst haben. Sobald ich das habe, entwickle ich die Gesellschaftsform, soziale Strukturen – und erst am Schluss die feineren Details des Aussehens.

Viktoria: Deine Schilderung fasziniert mich, da ich wäre ich gerne mal bei so einem Entstehungsprozess dabei. 🙂 Woher hast du die Ideen für dieses Universum genommen?

Recherche zu Showdown Beijing. Singapur © Ivan Ertlov

Eigentlich habe ich hier geschummelt. Der Onur Zyklus ist zwar Alternate History, also Alternative Geschichte, aber ich habe den Abspaltungspunkt von unserer Realität so nahe an unsere Gegenwart gelegt, dass ich einfach unser Universum als Blaupause verwenden konnte. Hinter den Kulissen biegt die Zeitlinie vom Onur Zyklus 1947 von unserer Historie ab, offensichtlich aber erst 2016 mit der Ankunft der Onura. Die darüber hinausgehenden Ideen, die erst im kommenden letzten Band „Götterdämmerung“ wirklich offensichtlich werden, stammen jedoch teilweise aus der damaligen Erstfassung meiner Dissertation.

Viktoria: Aus deiner Dissertation? Darüber müssen wir mal sprechen 😉 Mich haben in „Elysium: Jenseits von Onur“ die Schlachtsequenzen am meisten beeindruckt. Fällt es dir leicht, solche Szenen zu schreiben?

Angkor Wat – Schauplatz in Showdown Beijing © Ivan Ertlov

Eigentlich schon, ja. Ich bereite in meinem Kopf die Grundzüge vor, also den groben Ablauf der Schlacht, dann schlafe ich zu einem passenden SF ein – zum Beispiel Battlestar Galactica oder Space Above and Beyond. Meistens träume ich dann meine eigene Schlacht mit den Props aus dem Gesehenen und schreibe es nach dem Aufwachen nieder. Für die Brücken und Cockpitszenen verwende ich dann eine visualisierende Meditationstechnik, um die feineren Details auszuarbeiten.

Viktoria: Das ist eine sehr beeindruckende Art, Szenen zu entwickeln. Vielleicht fühlen sich deine Schlachten deshalb so mitreißend an. In vielen deiner Bücher polarisierst und politisierst du. Warum machst du das?

Ivans Schreibtisch © Ivan Ertlov

Weil ich ehrlicherweise die Schnauze voll habe von vielen Missständen unserer Gesellschaft, und ich alles in meiner bescheidenen Macht stehende tun will, um diese Welt zumindest im Kleinen zu einem besseren Ort zu machen. Das beginnt beim Blutspenden, geht über finanzielle Unterstützung für Obdachlose, Rettungsstationen für Wildtiere, Klimaschutzinitiativen und Bildungsfonds für junge Aborigines bis hin zu meinen Büchern, in die ich Messages verpacke. Ich will bei allem Spaß und aller Spannung auch aufrütteln, zum Nachdenken anregen, klipp und klar sagen, was Sache ist. Und gerade die Science Fiction bietet mir viele Gelegenheiten, unserer aktuellen Welt und Gesellschaft einen Spiegel vor die Nase zu halten. Die Wahrheit tut manchmal weh, muss einen gelegentlich kräftig in den Allerwertesten beißen. Dass ich hier anecke, ist mir klar. Aber lieber habe ich einige Leser weniger und einige Hass-Reviews mehr, als mich hier zugunsten des Profits zu verbiegen.

Viktoria: Ich finde jedes deiner Worte wahr. Man muss handeln und kann nicht immer nur jammern. Du hast einen guten Weg gefunden, das alles zusätzlich zu vermitteln. Was macht für dich ein gutes Buch aus? Welche Elemente sind dir besonders wichtig?

Ein gutes Buch ist einmal eines, das man nicht abbricht, sondern gerne zu Ende liest. Genre, Erzählform, Setting – all das ist nebensächlich, wenn das große Ganze stimmt. Ein herausragendes Buch ist eines, das man nicht nur gierig zu Ende liest, sondern das einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Bilder in den Kopf malt, die so schnell nicht verschwinden. Eigene Ideen entfacht oder sogar neue Interessen weckt.

Viktoria: Du sprichst mir aus dem Herzen. Jedes deiner Worte auf diese Frage empfinde ich genauso. Zu guter Letzt. Möchtest du noch eine paar Worte an die Leser richten?

Schwein-Schwein müde und überfressen nach drei Tagen im Dschungel © Ivan Ertlov

Kauft und lest meine Bücher! Nein, im Ernst: Genießt den Eskapismus, den Euch gute Bücher (aber auch meine!) bieten. Ok, jetzt wirklich im Ernst: Es freut mich, dass Lesen immer noch in Mode ist, und gerade im Bereich der Phantastik sehe ich eher einen Aufwärtstrend. Ich wünsche euch viel Spaß bei allen Buchabenteuern!

PS: Ja, wir haben hier wirklich handtellergroße Riesenspinnen. Aber die sind harmlos, nützlich und ich habe sie gern im Haus.

Lieber Ivan, danke für das direkte und unverblümte Interview. In deinen Antworten stecken viele Dinge zum Nachdenken. Außerdem machen sie auf deine Bücher neugierig. Ich freue mich schon darauf, in „Generation 23“ einzutauchen.


Alle bisherigen Veröffentlichungen von Ivan:

  • Avatar-Reihe 1: Mutation: Alte Freunde und profitable Kriege
  • Avatar-Reihe 2: Todessprung: Reiche Mentoren auf fernen Welten
  • Avatar-Reihe 3: Ganymed, Gone: Wer stiehlt schon einen Mond?
  • Avatar-Reihe 4: Showdown Beijing: Quō vādis, Korechina?
  • Generation 23: Geheiligt sei der Edlen Name (Einzelband)
  • Onur-Zyklus 1: Kolonie: Im Schatten der Matriarchin
  • Onur-Zyklus 2: Aufstand: Teshkhas Gambit
  • Onur-Zyklus 3: Allianz: Kampf um die Konklave
  • Onur-Zyklus 4: Elysium: Jenseits von Onur
  • Onur-Zyklus 5: Götterdämmerung: Onurs Erben (erscheint am 14. April 2020)

Ein Gedanke zu “Wer ist Ivan Ertlov? – Autoreninterview

  1. Pingback: Buchvorstellung Mutation: Alte Freunde und profitable Kriege (Sci-Fi) von Ivan Ertlov | The Librarian and her Books

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s