Wer ist Frank Friedrichs? – Autoreninterview

Der Autor © Frank Friedrichs

Ein weiterer Tag bricht an. Die 5 Tage, 5 Autoreninterviews, 5 Buchvorstellungen gehen weiter. Der heutige, dritte Tag gehört dem Krimiautor Frank Friedrichs.

Frank Friedrichs schreibt derzeit Kriminalromane, die in das Genre „Cozy Crime“ gehören. Seine Krimis spielen auf dem Land im beschaulichen und selbst erfundenen Dorf Vertikow. Die drei bisher veröffentlichten Bände sind beim Dichtfest Verlag erschienen. Erntedank in Vertikow ist der erste Fall von Peer Wesendonk, der seine Ermittlungen trotz Rollstuhl durchführt. Früher hat der Autor auch Kinderbücher für den Loewe-Verlag, Lyrik und Kurzprosa geschrieben.

Ein kurzer Ausschnitt aus meiner Rezension von Band 1:
Ich flog beim Lesen gerade so durch die Seiten und merkte nicht, wie schnell ich voran kam. Unbemerkt hatte ich die Hälfte des Buches hinter mir. Grund dafür ist der großartige und flüssige Schreibstil des Autors.
Meine vollständige Rezension findet ihr unter folgendem Link.

Viktoria: Kommen wir zu meinen Fragen, die ich Frank Friedrichs stellen durfte. 🙂 Hallo Frank, danke für deine Zeit. Würdest du dich den Lesern bitte in 3 Sätzen vorstellen?

Oje, in drei Sätzen? Du kennst mich nicht gut, was? Aber ich versuch‘s:
Mein Leben besteht aus lauter Wundern, von denen eines zum Beispiel ist, dass wir seit 13 Jahren in einem idyllischen mecklenburgischen Dorf leben, das mich nicht nur zu einer Fantasysaga, sondern auch zu meiner Vertikow-Reihe inspiriert hat. Ein zweites Wunder ist, dass es mir trotz meiner immensen Faulheit gelungen ist, nicht nur damals mein Germanistikstudium zu beenden, sondern inzwischen auch schon vier Krimis und diverse andere Texte zu fabrizieren. Und das dritte Wunder ist – zumindest für alle, die schon mal erlebt haben, wie umfassend ich bei Lesungen Fragen beantworte –, dass ich tatsächlich mit drei Sätzen ausgekommen bin.

Viktoria: Genau das war die Absicht hinter den drei Sätzen. 😉 Ich wollte es etwas schwieriger machen. Du hast dir mit deinen Büchern eine Nischengenre bei den Kriminalromanen ausgesucht. Warum hast du es ausgewählt?

Das hängt mit meiner eigenen Vorliebe zusammen. Ich lese nicht gerne Thriller und schalte auch im Fernsehen bei skandinavischen Krimis immer gleich weiter. Gemütlichkeit, Humor und Idylle sind viel mehr mein Ding, wobei natürlich immer wieder ein paar düstere Abgründe hindurchschimmern dürfen. Eine Kollegin hat mal gesagt, meine Krimis seien wie „Miss Marple“ oder „Inspector Barnaby“ – nur eben in Mecklenburg. Das war ein riesiges Kompliment, denn genau so soll es sein.

Viktoria: Ich kann deiner Kollegin nur zustimmen. Sie hat absolut recht! Wer oder was hat dich zu Peer Wesendonk inspiriert?

Ein richtiges Vorbild gab es da eigentlich nicht. Die erste Idee war damals, einen Krimi in unserem Heimatdorf spielen zu lassen – mit meinem Mann und mir als Detektiven. Doch schnell kamen mir Bedenken, dass sich dann all unsere Nachbarn wiedererkennen würden, und bestimmt eher in den negativen Figuren. Also habe ich das Ganze ein wenig entfernt, mir ein Dorf ausgedacht und auch für Peer nur ein paar Aspekte meiner Persönlichkeit verwendet. So liebe ich zum Beispiel die Musik und würde für mein Leben gern Orgel spielen können. Insofern ähneln wir uns: Peer jammert, dass er wegen seiner Querschnittlähmung nicht mehr Orgel spielen kann; ich jammere, weil ich es noch nie konnte. Ach ja, und die Schlagfertigkeit und Ironie, die hat Peer auch von mir. Aber ansonsten – um da auch noch mal die Nachbarschaft zu beruhigen – sind wirklich alle Figuren frei erfunden!

Viktoria: Ich kann deine Gedanken und deine Entscheidung gut verstehen. Die Verwendung der Aspekte aus deiner Persönlichkeit finde ich cool. Woher nimmst du deine Ideen für die Kriminalfälle?

Blick auf das historische Schlachtfeld im Nachbardorf Wakenstädt. Hier wird im dritten Band eine Leiche gefunden. © Frank Friedrichs

Unterschiedlich. Ich sammle zum Beispiel originelle und skurrile Zeitungsberichte; „Waldsterben in Vertikow“ ist aus einem Artikel über Holzklau entstanden. Manchmal beobachte ich auch einfach Situationen und spinne diese weiter. Die Keimzelle für „Erntedank“ war die Beobachtung von zwei alten Damen, die auf der Dorfstraße spazieren gingen und von einem vorbeifahrenden Auto nur knapp verfehlt wurden. Und für „Schlachtenlärm“ habe ich mich von einem Schlachtfeld in der Nähe inspirieren lassen, auf dem 1712 Hunderte Soldaten ihr Leben ließen. So was kann auch passieren, dass ich an einem beeindruckenden Ort stehe und denke: „Hier könnte doch vielleicht …“

Viktoria: Faszinierend, wie aus einem Alltagserlebnis solch geniale Geschichten werden. 🙂 Warum hast du dich nach den Kinderbüchern dazu entschieden Kriminalromane zu schreiben?

Wäre ich böse, würde ich behaupten, das sei nichts anderes, ich sei einfach bei kleinen Gaunern geblieben (lacht). Nein, im Ernst: Das ging ja nicht von heute auf morgen. Kinderbücher waren nie als Lebensinhalt geplant, das war eher ein großer, glücklicher Zufall gewesen.
Als wir hier aufs Land zogen, hat mich das Ganze erst mal sehr stark in die lyrische Richtung gebracht, mit Aphorismen, Naturbetrachtungen und solchen Dingen, die kein Mensch lesen will. Mein Mann hatte dann den Wunsch, ich sollte eine Fantasytrilogie schreiben, die tatsächlich auch in einer sehr ähnlichen Landschaft spielt, aber nie fertig geworden ist. Im zweiten Band gingen die Helden dann plötzlich der Frage nach, ob ein Elb wirklich das Verbrechen begangen hatte, für das er hingerichtet worden war. Da meinten die Kolleginnen aus meiner Autorengruppe, ich solle doch lieber gleich einen Krimi schreiben. Und das habe ich getan.
Das Genre Fantasy hat dann übrigens mein Mann äußerst erfolgreich übernommen.

Viktoria: Jetzt bin ich ein wenig neugierig auf deine Fantasy-Geschichte. 🙂 Ihr beide seid wirklich tolle Schriftsteller! Kannst du dir vorstellen, deine Krimis in einer Großstadt spielen zu lassen?

So, wie sie momentan konzipiert sind, würde das nicht funktionieren, nein. Es geht ja oft darum, dass jeder den anderen kennt und dann eben auch mit entsprechendem Interesse (das ich natürlich niemals „Neugier“ nennen würde) verfolgt, was die Nachbarn so tun. Das funktioniert in einer anonymen Großstadt nicht oder zumindest nicht so gut. Vor allem freuen sich meine Leserinnen und Leser ja auch darüber, die Nachbarn immer wieder zu treffen; insofern ist das Dorf ideal. Und schon Agatha Christie lässt ja Miss Marple sagen, dass sich in dem Mikrokosmos Dorf dieselben Menschen, Probleme, Nöte und Untaten finden lassen wie in der Großstadt.

Viktoria: Ohja, da stimme ich dir vollkommen zu! Was ist dir bei deinen Büchern besonders wichtig?

Das Schloss der Baronin Radenow-Werthenbach in Vertikow © Frank Friedrichs

Mir kommt es unter anderem sehr auf Authentizität an. Nicht nur Orte, Handlungen und Details der Ermittlungsarbeit sollen „stimmen“, sondern vor allem die Figuren, ihre Sprache, ihre Gesten und Mimik. Mein Ziel ist, die Figuren zum Leben zu erwecken, dann bekomme ich am Ende auch zu hören, dass für viele Leserinnen und Leser alles so echt und natürlich gewirkt hat und sie regelrecht durchs Buch geflogen sind.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist mir aber auch ein gewisser Anspruch. So „cozy“ meine Krimis sein mögen, ich will keine Heile-Welt-Geschichte erzählen, sondern durchaus auch ernste Themen berühren. So spielt zum Beispiel die Ossi-Wessi-Thematik häufiger eine Rolle, weil sie es leider in der Realität auch immer noch tut.

Viktoria: Das Lebensechte ist dir sehr gut gelungen. Auch ich gehöre zu diesen begeisterten LeserInnen. Die Verwendung von solchen Thematiken ist sehr wichtig. Schreibst du bevorzugt an einem einzigen Ort oder kannst du jederzeit und überall schreiben?

Also, jederzeit und überall sicher nicht. Aber ich bin auch nicht mehr auf einen Schreibort angewiesen. „Nicht mehr“ deshalb, weil das früher tatsächlich so war. Gut, auch heute schreibe ich zu Hause meistens am Schreibtisch, einfach, weil dort mein PC steht. Manchmal an schönen Tagen denke ich, ich könnte auch in den Garten gehen und im Schatten eines Baums schreiben (nein, nicht in den letzten Wochen!). Aber dann sitze ich da und mein Laptop schreit nach irgendeinem Update, das er wegen der fehlenden Internetverbindung dort nicht kriegt. Dann bleibe ich lieber gleich am Schreibtisch.

Ein anderer Fall ist es natürlich, wenn ich unterwegs bin – sei es zum Schreibtreffen mit Freunden im Café oder zu einem unserer Schreiburlaube. Die machen wir entweder mit unserer Autorengruppe in Dänemark oder allein im Anschluss an eine Veranstaltung, die „eigentlich“ zu weit weg gewesen wäre. Aber dann bereite ich natürlich den Laptop rechtzeitig vor …

Viktoria: Das kann ich gut nachvollziehen. Updates und nicht funktionierende Internetverbindungen kommen leider oft vor. Wirst irgendwann wieder Bücher in einem anderen Genre zu schreiben?

Ein frisches Gerstenfeld im Sonnenschein. Der ortsansässige Bauer Erich ist stolz auf sein Bio-Getreide. (Protagonist aus den Büchern) © Frank Friedrichs

Ganz bestimmt sogar! Auch wenn ich bei Lesungen immer sage, mein Traum sei es, irgendwann einmal über dem 56. Vertikow-Band selig zu entschlummern. Aber das muss ja nicht heißen, dass zwischendurch nichts anderes passiert.
Tatsächlich denke ich momentan mit ziemlicher Begeisterung darüber nach, in Vertikow auch noch eine Reihe aus einem ganz anderen Genre anzusiedeln, in der eine Nebenfigur aus den Krimis den Hauptpart übernehmen wird. In Band 4, „Bandenkrieg in Vertikow“ wird erstmals – wenn auch nur schemenhaft – eine neue Nachbarin auftauchen, die einen der Sidekicks in eine ganz andere Welt entführen wird …

Viktoria: Deine Idee macht mich schon jetzt neugierig. Ich hoffe du setzt sie um. Hattest du durch deine Tätigkeit als Autor schon seltsame Begegnungen?

Du meinst außer mit meinen Figuren? (lacht)
Auf jeden Fall viele ganz wunderbare, lustige, aufregende und berührende Begegnungen. Aber seltsame? Lass mich kurz nachdenken … Also, eher anstrengend war mal ein Gespräch mit einem Leser aus Sachsen, der mich ursprünglich gefragt hatte, warum meine Hauptfigur im Rollstuhl sitzt. Und dann hat er fast eine Stunde über die Beschaffenheit der Gehwege und Straßen in seiner Gemeinde, die Unfähigkeit des Gemeinderats und die unmögliche Gesetzgebung in Deutschland schwadroniert.
Aber wirklich seltsame Begegnungen habe ich tatsächlich eher in meiner Funktion als Verleger. Da war zum Beispiel mal eine alte Dame bei uns am Messestand und hat uns ein Bilderbuch angeboten, mit dem sie in den Fünfzigerjahren in der DDR großen Erfolg gehabt hatte. Ich habe es nicht im Detail durchgelesen; denn abgesehen davon, dass wir gar keine Kinderbücher im Programm haben, wollen wir bestimmt nichts veröffentlichen, in dem niedliche Plüschtiere ein Loblied auf den Sozialismus singen …

Viktoria: Gut, dass solch seltsame Begegnungen selten sind. Das mit der alten Dame kann ich gut verstehen. Möchtest du den Lesern zum Abschluss noch etwas erzählen?

Eigentlich sollte dir inzwischen aufgegangen sein, wie riskant so eine Frage bei mir ist …

Aber ich fasse mich kurz und erzähle nur zwei aktuelle Dinge aus meinem Autorendasein: Zum einen bin ich natürlich mit unserem DichtFest-Verlag auf der Leipziger Buchmesse vertreten, zumindest gehe ich momentan noch hoffnungsfroh davon aus, dass sie stattfindet. In Halle 2 an Stand H405 kann jede und jeder uns und unsere Bücher (Krimi und Fantasy) kennenlernen, bei einer Tasse Kaffee mit uns klönen oder uns Löcher in den Bauch fragen – dann aber bitte Zeit mitbringen! (lacht)

Das DichtFest-Team 2019 in Leipzig Frank Friedrichs, Rena Posbischil und Matthias Teut © Frank Friedrichs

Zum anderen interessiert vielleicht einige, dass ich – anders als geplant – den erwähnten vierten Vertikow-Band nicht in Leipzig vorstelle. Ich habe die Chance, damit an einem Wettbewerb teilzunehmen, wofür der Text aber unveröffentlicht sein muss. Wenn es sehr gut läuft, könnt ihr „Bandenkrieg“ dann nächstes Jahr von einem anderen, größeren Verlag lesen. Wenn es nicht so gut läuft, ist er hoffentlich im Oktober in Frankfurt von DichtFest erhältlich. Und weißt du was? Bevor du mir jetzt für dieses Gespräch dankst, danke ich dir für deine Geduld. Ich hoffe, mein Geplapper ist interessant genug für deine Leserinnen und Leser. Auf jeden Fall freue ich mich darauf, ganz viele von euch in Leipzig zu treffen!

Ich bin mir sicher, dass dein „Geplapper“ den Lesern gefallen hat. Denn ich fand deine Antworten spannend und niemals zu lange! Am liebsten hätte ich dich noch viel mehr gefragt 🙂 Dankeschön!


Einige Veröffentlichungen von Frank:

3 Gedanken zu “Wer ist Frank Friedrichs? – Autoreninterview

  1. Pingback: Buchvorstellung Erntedank in Vertikow (Krimi) von Frank Friedrichs | The Librarian and her Books

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