Rezension zu Ein ganz normales Pogrom: November 1938 in einem deutschen Dorf von Sven Felix Kellerhoff

Ein ganz normales Pogrom

© Klett-Cotta

Fakten zum Buch:
Titel: Ein ganz normales Pogrom: November 1938 in einem deutschen Dorf
Autor/in: Sven Felix Kellerhoff
Verlag: Klett-Cotta
Erscheinungsjahr:
Seitenanzahl: 248 Seiten
ISBN: 978-3608981049

Inhaltsangabe laut Verlag:
Im November 1938 geht im ganzen Deutschen Reich die Saat des Hasses auf. In Hunderten Gemeinden demütigen Einwohner ihre jüdischen Nachbarn. Sven Felix Kellerhoff zeigt am Beispiel des rheinhessischen Weindorfes Guntersblum, wie der Hass wucherte, ausbrach und welche Folgen er hatte.

Das heutige Bild des Novemberpogroms 1938 wird von den Vorgängen in Berlin und einigen anderen großen Städten wie München oder Essen dominiert. Doch das eigentlich Schockierende an den antisemitischen Übergriffen der »Reichskristallnacht« war, dass sie anders als frühere organisierte Pogrome tatsächlich reichsweit und bis in die Provinz hinein stattfanden. Die Novemberpogrome sind die Zäsur zu einer neuen Qualität und Intensität der Verfolgung. Gerade der Blick in ein ganz normales Dorf macht die erschreckende Normalität des Judenhasses greifbar und unmittelbar einsichtig. Hier kannten sich Opfer und Täter tatsächlich, lebten eng zusammen. Sven Felix Kellerhoff erzählt von den ergreifenden Schicksalen der Betroffenen in Guntersblum. Er zeigt, wie das Gift des Antisemitismus sich ausbreitete, wie die Situation ab 1933 eskalierte, was im November 1938 genau geschah und wie die Vergangenheit den Ort bis heute nicht loslässt. (Quelle: Amazon.de)

Meine Meinung zum Cover:

Auf dem Cover ist eines der seltenen Fotos des Schandmarsches vom 10. November 1938 aus Guntersblum zu sehen. Der Titel steht aussagekräftig in einer leuchtenden Farbe darunter. Für mich zeigt das Cover genau das, was der Autor in seinem Buch beschreibt.

Meine Zusammenfassung des Inhaltes:

Sven Felix Kellerhoff beschreibt in diesem Buch, wie sich der Hass auf die Juden immer mehr steigerte. Er zeigt die Anfänge auf und welche Gründe als Vorwand zu Judenverfolgung verwendet wurden. Weiters erzählt er, wie sich dieser Hass in kleinen Städten und Dörfern entwickelt hat. Guntersblum wird hier als Beispiel verwendet, fand hier doch einer der circa 20 Schandmärsche statt. Der Autor schildert, wie die Juden systematisch ausgegrenzt, enteignet, gedemütigt und deportiert wurden, viele jüdischen Einwohner starben in Folge der schrecklichen Ereignisse. Detailliert erfährt der Leser, wie es zu den Pogromen kam und welche Gesetze erlassen wurden, um die Juden immer mehr als Schuldige darstellen zu können. Nachbarn werden zu Tätern, Freunde leugnen die jüdischen Nachbarn näher zu kennen. Ein grausamer Kreislauf beginnt, der selbst durch Ende Krieges nicht vorbei ist, da die Ereignisse totgeschwiegen wurden und die Aufarbeitung erst spät begann. Auch das schildert der Autor und erzählt, welche strafrechtlichen Folgen es für die Guntersblumer Täter hatte.

Meine Meinung zum Inhalt:

Erstmal möchte ich betonen, dass man für dieses Buch unbedingt Kenntnisse des 2. Weltkrieges haben sollte, außerdem sollte man wissen, was ein Pogrom ist. Ansonsten wird sich der Leser beim Verstehen des Textes schwer tun. Der Autor beschreibt die harten Fakten und erzählt schonungslos, was in den kleineren Städten/Orten passierte. Er beschönigt nichts und erzählt die Ereignisse sehr detailliert. So erfuhr ich extrem viel über die Geschichte der Stadt Guntersblum in der Zeit zwischen dem 1. Weltkrieg bis in die 90er Jahre.

Das Buch zeigte mir auf, dass der Jungenhass viel schneller und plötzlicher anstieg als gedacht. Ein erschreckende Wahrheit, die man niemals vergessen darf, damit sich soetwas nie wiederholen kann. Ich finde es schade, dass man in der Schule nichts von diesen Details erfährt. Am Beispiel der Stadt Guntersblum sah man gut, wie schnell Hass, Machtgier Wut und Egoismus zu schrecklichen Taten führten. In diesem Buch erfuhr ich aber auch, wie Hitler und seine Gefolgsleute, vor allem Goebbels, die Gesetze veränderten, um ihre Politik und Ziele verfolgen zu können. Ich fand es erschreckend und war bestürzt darüber, wie sich plötzlich die Menschen von einem Abwenden und bereit sind schreckliche Dinge zu tun. Es zeigte auf, wie wichtig es ist, dass man die Geschichte nie vergisst und sich die Ereignisse immer wieder ins Gedächtnis ruft.

In diesem Buch erfuhr ich auch, wie die Menschen nach dem Krieg die Ereignisse und Taten verdrängten. Ich las darüber, wie die neue Generation dies nicht mehr tolerierte und endlich nach zu fragen begann. Weiters erfuhr ich, wie die Besatzungsmächte mit ehemaligen Nazis und Tätern um gingen.

Schade finde ich, dass der Text sehr trocken ist. So muss man sich extrem konzentrieren und kann nicht viel an einem Stück lesen, da man die ganzen Informationen erstmal verarbeiten muss.  Enttäuschend war für mich ein bisschen, dass 43 % dieses Buches aus einem Anhang mit Anmerkungen (Fußnoten) zu dem vorangegangenen Text bestehen. Das letzte Prozent enthält Karten und ein paar wenige erhaltene Abbildungen aus der Pogromnacht in Guntersblum, sowie eine Autoreninformation. Diese Informationen belegen damit den vorherigen Text.

Mein Fazit:

Sven Felix Kellerhoff beschreibt in diesem Buch, wie sich der Hass auf die Juden und somit der Antisemitismus immer mehr steigerte. Mir wurde schonungslos und ohne Beschönigungen aufgezeigt, welche Auswirkungen dies auf kleinere Städte/Orte hatte. Die Geschichte von Guntersblum wurde sehr detailliert dokumentiert und ich bekam einen tiefen Einblick in diese Zeit, aber auch dem Ende nach dem Krieg und die Aufarbeitung bzw. Verdrängung. Ein Drittel des Buches besteht aus einem Anhang mit Anmerkungen. Ohne Vorkenntnisse sollte man dieses Buch nicht lesen. Mein Wissensschatz wurde durch dieses Buch enorm erweitert, da ich viele Details erfuhr.

Ich vergebe 4 von 5 möglichen Sternen!
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Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!

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